Textfeld: Im Jahre 1585 hatte Roßlau, außer der  Burg, vom Marktplatz aus nur 3 Straßen. Die Coswiger Gasse , die Elbgasse und die Mühlengasse.

Für die innere Entwicklung der Stadt sind um diese Zeit 3 Daten von Bedeutung:1603 die Stadtwerdung mit dem erhalt des Marktrechtes sodann der große Brand am 25. April 1626 als folge der Schlacht an der Elbbrücke. Und  endlich der große Brand  vom 4. November 1717.

Das altehrwürdige Kirchenbuch von 1644 berichtet darüber:
„Den 4. November, Martin Pfeil, ein Maurergeselle Joachim Pfeils, Maurer all hier, ehelicher Sohn  und Martha Magdalene Barthels Johann Barthels  Bürger und Brauers eheliche Tochter getrauet. Dieses war eine unglückliche Hochzeit, indem anderen Tage frühe 10.00 Uhr im Hochzeitshause bei Joh. Bartels durch Unvorsichtigkeit Feuer auskam, dadurch der halbe teil dieses Städteleins jämmerlich in die Asche geleget wurde“. Der Mühlstedter  Pastor Marci meldet dazu, daß 25 Brau-, 7 Budenhäuser  und 33 Ställe nebst Pfarre und Schulwohnung sowie der „Schwarze Bär“  ein Raub der Flammen wurde.

Schuld an der Größe dieser Brände hatte die damals übliche Bauweise. Als Baustoff wurde vorwiegend Holz, Stroh, Schilf und Lehm verwandt. Auch dass offene Herdfeuer  und der brennende Kienspan als Beleuchtung, bildeten für die Bürger  eine ständige Brandgefahr.

Roßlau besaß zu dieser Zeit nur seinen Marktbrunnen zur Brandbekämpfung. Um ihn herum standen 4 Sturmfässer. In ihnen wurde das Wasser bei Feuersbrünsten zum Brandherd geschafft. Etwa seit 1745 besaß Roßlau eine Feuerspritze. Dazu gehörten 28 lederne Feuereimer zur Bildung einer Eimerkette. Auch ein Feuerleiterhaus wurde auf dem Marktplatz errichtet. Eine Feuerwehr im heutigen Sinne gab es zu dieser Zeit noch nicht. Es war Pflicht eines jeden Bürgers sich an den Löscharbeiten zu beteiligen. Bei Brandgefahr z.b. großer Hitze oder Gewitter mussten die Hauseigentümer  mit Wasser gefüllte Gefäße vor ihre Häuser stellen. In jedem Haus hingen lederne Feuereimer an den Deckenbalken.

Bereits im Jahre  1870 nach dem Mühlenbrand am 2. Mai 1870 befaßte sich unsere Stadtbehörde mit dem Projekt , Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Damals war Herr Pötsch Bürgermeister von Roßlau. Laut Brief vom 6.Mai 1870 boten der Verein Union und der hiesige Turnverein der Stadt Roßlau ihren Dienst an.
Für die Bereitwilligkeit wurden beide Vereine auch von Seiten des Herrn Bürgermeister Pötsch mit einer öffentlichen Belobigung beehrt. Sonst blieb alles beim alten.
Am 18. August 1872 brannte das Ungersche Grundstück am Markt nieder. Dieser Brand gab nun Textfeld: unserer Stadtverwaltung Veranlassung, den Herrn F. Kuhrmann mit der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr zu beauftragen.

Mehrere Stadtverordneten Sitzungen befassten sich nun  mit der Feuerwehrsache. Endlich am 26. Mai 1874 wurde seitens unserer Stadtverordneten eine Kommission mit der Feuerwehrangelegenheit betraut und Herr Kuhrmann endgültig mit der Bildung einer Turnerfeuerwehr beauftragt.
Mitte August 1874 versammelten sich die Mitglieder des Roßlauer Turnverein`s im Bären von Anhalt und es erklärten zirka 50 Mitglieder ihren Beitritt zur Feuerwehr. Bestimmt wurde weiter, dass der Pionierkorps aus Maurer und Zimmerleute bestehen sollte, selbst wenn diese nicht dem Turnverein als Mitglied angehören.

Als Gründungstag wurde der 22. August 1874 angenommen.

Herr Bürgermeister Pötsch.wendete sich an verschiedene Feuerversicherungen, um Unterstützungsgelder für die Feuerwehr . Der Deutsche Phönix überwies am 6. Juni 1874 100 Mark. Die Herzogliche Regierung überweist am 14. Dezember 1874 150 Thaler, sowie für eine Unterstützungskasse für Feuerwehrmänner, welche im Dienst Körperlichen Schaden nehmen 50 Thaler.  Vorläufig sollten dem Korps 60 Mann angehören.
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Am 31. August 1874 wurden bei einer Berliner Firma 60 Helme bestellt. Vom 16. bist 19. Oktober die von Herrn Eschebach gelieferten 60 Blusen, an die Feuerwehr ausgegeben. Zeugschmiedemeister Hentze lieferte Äxte und Beile und sonstige Werkzeuge für die Wehr.

Am 19. Oktober 1874 wurden im Gasthof –Zum Deutschen Kaiser– die Mitgliedskarten verteilt. An diesen Tage konnten 45 Unterschriften für empfangene Ausrüstung geleistet werden.
Am 26 Oktober fand im -Deutschen Kaiser- eine Versammlung statt welche sich mit der Wahl des Kommandos befasste.
Es wurden folgende Herren gewählt:
Hauptmann:				F.  Kuhrmann
Stellvertreter:				F.  Schmidt
Zugführer Steigerkorps 1:		O.  Schmidt
Zugführer Pionierkorps:		Th. Wehnert
Zugführer Ordnungsdienst:		A.  Dietze
Zugführer Spritzenabtlg.:		A.  Thiemert
Zugführer Wassermanschaft:	F.  Metzner
Rohrführer Spritze 1:			G.  Lindau
Rohrführer Spritze 2.			F.  Metzner

Die nun stattzufindenden Übungen mussten wegen noch nicht Fertigstellung der Turnhalle Lindenstraße aufgeschoben werden. Am 15 November 1874 fand die erste Übung in der Turnhalle statt. Es waren 59 Mann zur Übung erschienen. Nach der Übung ging es in Marschkolonne nach den - Goldenen Löwen-. Hier wurden den Kameraden die fertiggestellten Statuten vorgelesen. Anschließend erfolgte eine fidele Kneiperei bis in die Morgenstunden.

Auszug aus der Festschrift:
50 Jahre Freiwillige Turnerfeuerwehr Roßlau
1874 - 1924
Von Otto Matthis 
Textfeld: Die Gründung  der 
Freiwilligen Turnerfeuerwehr  Roßlau
Anno 1874